Russland


Zeiten der Wirren. Romane von Gaito Gasdanow, Boris Sawinkow und Michail Ossorgin über Russland im frühen 20. Jahrhundert

Buchkritik

Nehmen wir beispielsweise den Roman mit Kokain von 1936. Vor knapp vier Jahren erschien M. Agejews Imagination über eine um die Revolutionszeit dekadent florierende Moskauer Jugend in neuer Übertragung auf Deutsch. Als typischem Vertreter dieser Phase kommt darin eine bestimmte Einstellung zwischen Nihilismus und Spiritualität, zwischen Rausch und meditativer Stimmung zum Ausdruck, stets mit Blick auf neuartige, moderne, verhängnisvolle Symbiosen aus Zerstörung und säkularem Messianismus. All das erhält vor dem Hintergrund der singulären und doch kontaktstarken russischen Geschichte und Kulturtradition mit dem Sozialcharakter des avantgardistischen Gymnasiasten seinen eigenen Geist, eine eigene Sprache. Die Zugänglichkeit des Romans von Agejew beweist: Dort, wo große Namen wie Bulgakow oder Nabokov regieren, wird auch von den im Westen weniger bekannten Autoren mitgehalten. Ganze Schatzkammern scheinen zu schlummern in den Schriftkatalogen jener, die noch unter den Romanows geboren und aufgewachsen sind und für die schließlich mit Lenin und Stalin eine Krise begann, die im Zuge ihrer biographischen Deterritorialisierung auch so manchen Bruch ins Schreiben einfließen ließ.

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