Roman


Die Wüste des Hartgesottenen: Nic Pizzolattos Galveston

Literaturkritik

Als Anfang 2014 die HBO-Serie True Detective zur veritablen TV-Sensation der Saison avancierte, war der Erfolg unweigerlich mit den beiden herausragenden Hauptdarstellern Matthew McConaughey und Woody Harrelson verbunden. Doch in ähnlichem Maße wanderte die Aufmerksamkeit auch auf die beiden Verantwortlichen hinter der Kamera. Das fabulöse Duo aus Regisseur Cary Joji Fukunaga und Autor Nic Pizzolatto wurde zwar bereits zur weniger beliebten zweiten Staffel wieder geschieden, stellte zunächst aber eine weitere Evolutionsstufe in der neuen Kultur künstlerisch ambitionierter Autorenshows dar. Während der gerüchteweise schwierige, nichtsdestoweniger verdiente Fukunaga nunmehr den ersten von Netflix produzierten Streaming- und Kinofilm in Venedig und Toronto vorstellte, bleibt Pizzolatto als kreativer Kopf, Erfinder und durchgängiger Verfasser der Skripte seiner Erfolgsserie auf der Bühne der internationalen Fernsehlandschaft platziert. Angesichts einer solchen Sonderrolle jenseits der vielen Köche des Writers‘ Room und ästhetischem Kompromiss ist es auch nicht verwunderlich, dass ziemlich schnell eine neue Auflage von dessen bereits 2010 erschienenem Kriminalmelodram Galveston in die Druckereien wanderte, freilich über und über mit True Detective-Stickern versehen. Die Hinweise auf den Hit wirken in ihrer Aufdringlichkeit wie ein Lektüreimperativ: Lies so, als wäre dieses Buch so true wie True Detective.

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