Rezeption


Über Judith Hermanns Erzählungen Lettipark

 Buckritik

Sogar, dass Judith Hermann schreiben kann, ist ja umstritten. Seit den Geschichten aus ihrem erfolgreichen Debüt Sommerhaus, später von 1998 gab es immer die Stimmen im Literaturbetrieb, die ihr absprachen, schreiben zu können. Schiefe Bilder, inhaltslose Sätze, Effekthascherei und natürlich Kitsch sei das, was Hermann da fabrizierte. Triviale Befindlichkeitsliteratur für verzogene Großstädter, die keine wirklichen Probleme haben – außer vielleicht, dass sie keine Probleme haben. Das ist natürlich Quatsch, einerseits. Andererseits ist es schade, dass ihre letzten beiden Bücher, der Roman Aller Liebe Anfang von 2014 und jetzt die im Frühjahr veröffentlichten Erzählungen Lettipark ihren nervigen und wahrscheinlich auch neidischen (immerhin ist Hermann eine weltweit erfolgreiche Literatin) Kritikern ein Stück weit recht geben.

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# letsbinge. Zur Fresshaltung in Orange is the New Black.

Serienkritik

Die letzten Kalorien des verdauten Weihnachtsbratens sitzen noch fest eingenistet links unter dem Bauchnabel und sträuben sich, wieder von dannen zu gehen. Die Weihnachtszeit ist digestiv noch so nah, da wird man ja wohl noch mit einem religiösen, ja christlichen Amuse Bouche anfangen dürfen? In einer berühmten Szene aus David Finchers Se7en frisst sich ein eh schon viel zu dicklicher Mann wortwörtlich zu Tode. Jeder kennt die Szene, auch diejenigen, die wie ich zu viel Schiss haben, den kompletten Film zu schauen (Gott sei Dank, ist ,Schiss‘ keine der sieben Todsünden). Vor allem in und nach der Weihnachtszeit fühlt man noch mehr Empathie mit dem armen Mann und empfindet den qualvoll deliziösen Tod, den er erleidet, am 24., 25., 26. und vielleicht sogar an den darauffolgenden Tagen allzu realistisch nach.

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