Realismus


Mängel des Alltäglichen. Über Karl Ove Knausgårds ersten Band der Min Kamp-Reihe

Literaturkritik

Karl Ove Knausgård ist angekommen. Viele seiner Äußerungen in der autobiographischen Romanserie Min Kamp drehen sich um das Ziel, Schriftsteller zu werden. Seit einigen Jahren kann er nun tatsächlich als internationale Sensation gelten, vielleicht gar als „wichtigster norwegischer Autor seiner Generation“, wie der Klappentext der deutschen Ausgabe mutmaßt. Doch wie hat er das geschafft? Eine kurze Antwort wäre: Er hat sich selbst ein überlebensgroßes Denkmal gebaut – ein Denkmal, das er nur verdient, weil er so gern in Stein gemeißelt werden möchte. Seine Schöpfung fällt mit der Krönung seiner Schöpfung zusammen. Eine solche Leistung wiederum muss erst einmal vollbracht werden. Balzac hat immer wieder über die magische Kraft des Wollens philosophiert. So manche seiner Figuren zeichnen sich dort durch Ehrgeiz und Disziplin aus, wo vielleicht auch Talent und Originalität geholfen hätten, nur unabkömmlich waren. Aber das macht ja nichts, denn was nützt einem schon die zündendste Idee, das trefflichste sprachliche Bild, wenn es nicht ins Leben tritt, wenn keine Veranlassung durch den eisernen Willen des kreativen Schöpfers stattfindet?

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