Kunst


Über Geniale Dilletanten in Hamburg

 Ausstellungskritik

Wenn ich in Hamburg bin, einen Nachmittag lang Zeit habe und schlechtes Wetter ist (das Wetter ist so gut wie immer schlecht, wenn ich Hamburg besuche), gehe ich gern ins Museum für Kunst und Gewerbe. Man kann wunderbar durch diesen riesigen Bau direkt am Hauptbahnhof flanieren, es gibt Jugendstilmöbel, islamische Kunst und eine sehr schöne Sammlung von Designgegenständen aus dem zwanzigsten Jahrhundert. Man kann sich sogar das nachgebaute Arbeitszimmer von Dieter Rams, dem ehemaligen Designer von Braun und großes Vorbild von Apple-Chefgestalter Jonathan Ive, anschauen, genauso wie die berühmte alte Kantine des SPIEGEL, ausgestattet von Verner Panton. Und es gibt immer wieder sehr interessante Sonderausstellungen, die manchmal erstaunlich wenig Besucher anziehen. Aber was gibt es Schöneres als eine leere Ausstellung, bei der man nicht vor jedem Exponat anstehen muss? So auch bei meinem letzten Hamburg-Besuch.

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Anleitung zur Coolness: Fotografien von Anton Corbijn in der c/o Berlin

Ausstellungskritik

Meine erste Begegnung mit Anton Corbijn fand 2007 statt – und zwar in einem Kino. Ich sah mir den Film Control über den früh verstorbenen Joy Division-Sänger Ian Curtis an. Diese erste Kinoarbeit des holländischen Fotografen markiert einen seltsamen Punkt in dessen Karriere. Der Film unternimmt eine merkwürdige Verdopplung der inzwischen ikonischen Ästhetik von Joy Division, die Corbijn als Fotograf der berühmtesten Bilder der Band mitgestaltet hat. Die düstere Schwarz-Weiß-Ästhetik seiner Fotos übertrug den ebenso dunklen Sound der Band auf die visuelle Ebene. Corbijn verfilmte praktisch seine eigenen, historischen Fotografien. Natürlich gibt es noch andere wichtige Einflüsse auf die Ästhetik der Band, die Albumcover von Peter Saville einerseits, aber genauso die corporate identity des Manchester Factory Labels, auf dem die Platten der Band erschienen. Doch Joy Division waren so etwas wie der Anfangspunkt der internationalen Karriere Corbijns – und so sehr er ihre visuelle Ästhetik prägte, so prägte auch die Band den Fotografen Corbijn und seine künstlerische Arbeit. Noch immer zählen sie zu seinen berühmtesten Werken und die ebenfalls ikonischen Bilder von U2 und Depeche Mode schließen daran an.

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