Fernsehen


Über Designated Survivor

Serienkritik

Wenn der amerikanische Präsident die Rede zur Lage der Nation, die State of the Union Address, im Kongress hält, und alle Regierungsvertreter und Parlamentarier anwesend sind, muss ein Minister dieser Veranstaltung fern bleiben. Dieser designated survivor soll etwa im Falle eines Anschlages, bei dem die gesamte Regierung zu Tode kommt, die Regierungsgeschäfte übernehmen und Präsident werden. Im Prinzip ist das mehr politische Folklore als Sicherheitsmaßnahme. Eine neue Serie des Senders ABC (in Deutschland auf Netflix zu sehen) nimmt dies nun als Ausgangspunkt: Ein monumentaler Anschlag tötet den amerikanischen Präsidenten, sein Kabinett und alle Mitglieder des Kongresses. Jedenfalls sieht es am Beginn der Serie so aus. Als designated survivor überlebt nur der Minister für Housing and Urban Development Tom Kirkman, gespielt von Kiefer Sutherland. Kirkman gehört keiner der beiden großen politischen Parteien an, er ist ein unabhängiger Fachmann, der zu allem Überfluss am Morgen des Anschlags von seiner bevorstehenden Entlassung erfahren hat.

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Über Jimmy Fallon

Fernsehkritik

Eigentlich war ich noch zu jung für das Late-Night-Fernsehformat, als die Harald-Schmidt-Show 1995 bei Sat 1 startete. Trotzdem bestach ich meine Eltern so oft es ging, doch wenigstens bis zur ersten Werbepause schauen zu dürfen. So richtig verstanden habe ich die ironische Grundhaltung der Show allerdings nicht. Fand Schmidt seine Gäste wirklich so toll, wie er ständig sagte, obwohl er sich offensichtlich gar nicht für sie interessierte? Und Polenwitze – war das nicht rassistisch? Oder machte er sich damit nicht viel eher über Alltagsrassismus lustig? Diese Uneindeutigkeit wirkte befreiend. Natürlich funktionierte die Harald-Schmidt-Show auch nur deshalb, weil es noch kein Youtube gab und niemand in Deutschland seine amerikanischen Vorbilder kannte, an erster Steller natürlich David Lettermans Late Show. Trotzdem wurde Schmidt vorgeworfen, nur eine schlechte Kopie zu sein. Vielleicht stimmte das sogar, aber wie Benjamin von Stuckrad-Barre, eine Zeitlang Gagschreiber bei Schmidt, in seinem neuen Buch Panikherz schreibt, Letterman hatte man noch nie gesehen, aber das war ohnehin egal, Schmidt fand man halt einfach gut und alle guckten es.

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